Nur Bäume, nirgendwo Wald. (CC BY-SA 3.0: Hajotthu/Wikimedia)

Der NGO-Begriff hat ein bemerkenswertes Typologisierungsmassaker hinter sich: Grenzt man nach Politikfeld ab, nach Zielgruppe oder nach Strategie? Nach Grad der Nicht-Staatlichkeit, Handlungsebene oder nach Mitgliedschaft? Selbst die UN, die den NGO-Begriff in Art. 71 der UN-Charta überhaupt erst angeschleppt hat, windet sich um genauere Kriterien.

Folgende (nicht synonyme!) Begriffe sind mir aus dem Bereich schon begegnet (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • activist organization,
  • charity organization,
  • civil society organization (CSO),
  • Community based organization,
  • Foreign Funded NGO (FFUNGO),
  • Government Run/Inspired NGO (GRINGO),
  • Governmental Organized NGO (GONGO),
  • grassroots organization,
  • independent voluntary sector,
  • interest group,
  • International NGO (INGO),
  • international quasi-NGO (IQUANGO),
  • Internationale Interessenorganisation,
  • major group,
  • multinationale Bewegungsorganisation (MBO),
  • Nichtregierungsorganisation (NRO),
  • Nichtstaatliche Organisation,
  • non-profit organization (NPO),
  • pressure group,
  • private voluntary organization,
  • professional voluntary and citizens organization,
  • Protestbewegung,
  • Quasi-NGOs (QUANGO),
  • Soziale Bewegung,
  • third sector organization,
  • Transnationale Bewegungsorganisation,
  • UN organized NGO (UNONGO),
  • voluntary group

Klein, Walk und Brunnengräber (2005: 13) stellen dazu fest: „Das terminologische Durcheinander um den Begriff NGO konnte trotz jahrelanger Forschungsbemühungen bislang nicht aufgelöst werden“.

Laut einem Verweis soll aber zumindest ein gewisser Chadwick Alger (1999: 394) eine Unterscheidung mit 27 Typen inkl. Abkürzung auflisten. Das werde ich mir allerdings nicht auch noch antun und lieber nochmal überlegen, wie ich den Wald zwischen den Bäumen wieder finde.

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Ein Dank geht bereits jetzt an Eighty Percent Solutions Corporation für die Entwicklung von Freedom – minimum Ablenkung, maximum Produktivität. Äh, also fast…

Auch wenn hier seit drei Monaten nix passiert ist: in Sachen Eingrenzung und Gliederung hat sich allerdings ordentlich was getan.

Konkret untersucht wird die These „Digitale Kommunikation ermöglicht NGOs mehr Transparenz“ – quasi die Behauptung, die auch der erste Satz des Abschnitts zu zivilgesellschaftlichen Organisationen des Wikipedia-Artikels „Social Media“ so schön formuliert:

„Mit Hilfe der erweiterten kommunikativen Möglichkeiten im Social Web können zivilgesellschaftliche Organisationen Transparenz erzeugen und durch gesteigerte Responsivität ihre Glaubwürdigkeit erhöhen.“

Ist das so?

Letztendlich geht es erstmal also um eine Reihe von Buzzwords, die – natürlich – alle miteinander zusammenhängen (was ja in Sozialwissenschaften gern mal der Fall ist). Tatsächlich gibt das Wordle meiner bisherigen Literaturnotizen schonmal einen guten Eindruck über den theoretischen Hintergrund.

Letzte Fragen und Feinheiten der Gliederung sind noch nicht ganz zurecht geschliffen, aber das wird. Muss ja auch: Angemeldet ist das Ding, ich komm nicht mehr raus aus der Nummer.

Langsam muss das Projekt Masterarbeit ja mal vorankommen. Nach der re:publica als Ideen-Tankstelle ging es kurze Zeit später zur re:campaign. Auch wenn dort der Fokus vor allem auf Praktisches gelegt wurde, gab es dennoch ein paar interessante Anregungen, vor allem von Duncan Green, Head of Research bei Oxfam GB und begeisterter Blogger (aber weniger begeisterter Twitterer). Er sprach über Chancen und Risiken von modernen Kommunikationstechnologien (ICT) im Kampf gegen Armut. Spannendes Ding, hier auch zum Angucken:

Ein wichtiger Aspekt bei Duncan Green sind die „power“ Ebenen. ICT können vor allem in den  Bereichen „power to“ (eigene Forderungen ausdrücken und in politische Prozesse einbringen) und „power over“ (Partizipation an politischen Prozessen) zu Fortschritten führen.

Da fiel mir auch wieder die Frage ein, warum NGOs hierzulande eigentlich Social Media nutzen. Antwort ist in der Regel die Erreichung von Zielgruppen, die mittlerweile vor allem im Netz zu Hause ist. Ethische Zweifel über die Nutzbarkeit für Non-Profit Akteure von zum Teil börsennotierten For-Profit Netzwerken werden zwar an-, aber sicher nicht ausdiskutiert.

Welche Rolle spielen eigentlich die neuen Kommunikationsformen für die Legitimität und Accountability von NGOs? Bei ersten Recherchen wird deutlich, dass sich die (politik-)wissenschaftliche Literatur im Themenkomplex Politik und neue Medien vor allem mit den üblichen Verdächtigen E-Government, Online-Wahl(kampf) und E-Partizipation beschäftigt, kaum jedoch mit den Folgen der digitalen Vernetzung für zivilgesellschaftliche Akteure. Da könnte sie also sein, meine Lücke für die Abschlussarbeit!

Die nächsten Schritte werden also sein: Eingrenzung des Komplexes, Definitionen der zugrundeliegenden Konzepte (Online-Kommunikation, Accountability, …) und Ausformulierung einer Gliederung.

Masterarbeits-Themenfindung. Man nehme: Inspiration. Die gibt’s im Prinzip überall. In diesem Internet, in Büchern, Zeitungen und – ach ja, richtig – in wissenschaftlicher Fachliteratur. Inspiration gibt’s aber auch auf Veranstaltungen wie der re:publica, wo sich – nach den Vorstellungen von stern.de – die Netzgemeinde zum „Kirchentag“ trifft. Diese etwas sektenhafte Außenwahrnehmung wird dem breiten Spektrum an Themen aber nicht gerecht, schließlich war das diesjährige Motto „ACT!ON“ – und die Inhalte gingen durchaus auch „InternOtpeople“ (Sascha Lobo) an. Arabischer Frühling, Netzneutralität, Reform des Urheberrechts, Open Government, Europäische Öffentlichkeit – die Liste ist lang.

Tatsächlich hab ich die Konferenz mit der Intention angesteuert, möglichst viel Input mitzunehmen, wegen Inspiration und so. Einen Konferenz-Fahrplan auszuarbeiten war dabei aber gar nicht so einfach, immerhin gab es insgesamt über 200 Stunden Programm, immer acht Sessions parallel. Im Unterschied zu vielen Uni-Referaten waren die Präsentation meist gut vorgetragen und die Panel-Diskussion wirklich interessant – ärgerlich also, dass ich nicht alle Veranstaltungen sehen konnte, die ich hätte sehen wollen. Aber es gibt ja zig Stunden Aufzeichnungsmaterial, die guck ich dann, sobald ich ein paar freie Minuten habe…

Inspiration?

Aber was gab es denn nun an Inspiration? Obwohl spannend, habe ich die Veranstaltungen zum Arabischen Frühling größtenteils ausgelassen. Zum einen, weil ich bereits letztes Jahr die Keynote Speech von Jilian C. Yorke auf der re:campaign 2011 gesehen habe und ich bereits das Thema Ägypten in einer Hausarbeit verwurstet habe, zum anderen, weil das prüfungslogistisch nicht so richtig passt.

Interessant für mich war aber zum Beispiel bei einer Gesprächsrunde mehrerer Aktivist/innen aus verschiedenen arabischen Ländern der Aspekt der grenzüberschreitenden Vernetzung von sozialen Bewegungen. Natürlich spielten da die neuen Kommunikationsformen eine wichtige Rolle, etwa beim Lernen von den anderen Protesten – auf zivilgesellschaftlicher, aber auch auf staatlicher Ebene. Eine Hürde dabei aber auch: Die Sprache. Tunesische Aktivisten twitterten wohl gern auch mal auf Französisch, was die grenzüberschreitende Kommunikation erschwerte, wenn viele ägyptische Kollege sprachlich vor allem Arabisch unterwegs waren.

Das Problem der Sprache bei der transnationalen Vernetzung spielt aber auch in Europa eine Rolle. In einem sehr spannenden Panel diskutierten u.a. der „Euroblogger“ Jon Worth und der (bloggende) Gründer der schwedischen Piratenpartei Rick Falkvinge über eine Europäische Öffentlichkeit und welche Rolle Blogs darin spielen können. Tenor: Eine gemeinsame Europäische Öffentlichkeit ist wichtig und Blogs können dazu beitragen. Gleichzeitig ist aber das generelle Interesse an europäischen Themen immer noch relativ gering, obwohl die doch eigentlich ziemlich viele Menschen betrifft. Eine Frage der nationalen Identität?

Das Thema Sprache kam auch bei der Session zu „Digital Diplomacy“ zur Sprache. Eine Frage aus dem Publikum war, ob sich die Sprache der Diplomatie dadurch ändere, dass etwas Gesagtes in Texas in Frankreich nicht ungehört bleibt – dank den Kanälen neuer Medien. Die Antwort von Panel-Teilnehmer Dan Meredith („Yes“) wäre vielleicht etwas zu knapp für meine 70-Seiten Arbeit. Aber der Aspekt Sprache und transnationale Identität erscheint mir auf jeden Fall spannend. Schade, dass ich nicht Kulturwissenschaften studiere.

Inspiration!

Insgesamt war der Input auf der re:publica tatsächlich einiges an Inspiration in der Luft. Ob es die Frage nach einem „Menschenrecht auf Internet“ war, die Vorhersagekraft der Zugriffszahlen von Global Voices für den Arabischen Frühling oder die Frage, ob die deutsche Bundesregierung in Sachen Modernität nicht hinter dem Vatikan zurück bleiben sollte  – ich lass das mal auf mich wirken.

Nächste Station der Inspirationsfindung ab morgen: Die re:campaign.

Hallo Welt, du bist groß. Groß genug für sieben Milliarden Menschen, 37 Katzenarten und ein Internet. Nein, anders: Hallo Internet, du bist groß. Groß genug für sieben Milliarden Menschen, 37 Katzenarten und eine Welt. Mindestens. Dieser Blog (Ja, dieser Blog) sollte also auch gerade noch reinpassen.

Und wozu das Ganze? Für nichts Geringeres als die Wissenschaft – oder das, was ich daraus mache. Ab Herbst steht das Schreiben meiner Masterarbeit in Politikwissenschaft auf dem Programm. Nachdem ich meine Interessen nach dem Bachelor etwas orientierungslos irgendwo zwischen alles und nichts verorten konnte, bin ich jetzt dank Praktika, Ehrenamt und studentischer Mitarbeit zumindest soweit, ein paar Stichworte in den virtuellen Raum zu schmeißen, die – nun ja – immer noch zwischen alles und nichts liegen, aber ein zumindest ein bisschen Orientierung geben. Voilà:

  • Zivilgesellschaft
  • Soziale Bewegungen
  • Protest
  • Demokratie
  • NGOs
  • Internet
  • Politische Kommunikation
  • Social Media

Im Blog versuche ich den Prozess des Entstehens reflektieren – von der Themenfindung, der Recherche, das Schreiben bis zur Abgabe. Keine Ahnung ob das so Sinn macht, aber ich sehe es als Experiment, dass sich irgendwie anbietet, weil im Internet, da ist Platz für sowas.

Drei Zwecke

Dieser Blog dient also konsequenterweise mindestens drei Zwecken:

Erstens mir selbst zur Motivation: Nun habe ich das Ding schon aufgesetzt, nun liest es womöglich noch jemand. Wenn es jemand liest, muss ich auch etwas hineinschreiben. Und um etwas hineinzuschreiben, muss ich mich mit meiner Master-Arbeit auseinandersetzen. Erhobener Zeigefinger und digitaler Arschtritt in einem – praktisch.

Zweitens zur Dokumentation: Wie verläuft der Arbeitsprozess? Geschmiert wie Butterstulle oder zäh wie Schuhsohle? Welche Drehungen und Wendungen nimmt das Ganze? Was sagt die Literatur? Gibt’s ein Happy End? Der Blog zum Buch – Online und Print in trauter Zweisamkeit.

Drittens zur Diskussion: Funktioniert natürlich nur, wenn die ersten beiden Punkte hinreichend erfüllt werden. Dann aber könnte das spannend sein – vielleicht.

Ich habe extra eine .de-Domain angemietet. Es kann also losgehen!

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